Wer Laura Crompton begegnet, merkt schnell: Sie interessiert sich weniger für technische Möglichkeiten als für die Auswirkungen, die KI auf Menschen hat. Ihre Forschung beginnt dort, wo Algorithmen auf Alltag treffen. Wie formen sie Urteile? Welche Rolle spielen sie in Entscheidungen? Und weshalb reagieren Menschen so unterschiedlich auf diese Technologien?
Zwei Phänomene stehen für sie im Zentrum: algorithmic appreciation, das übermäßige Vertrauen in maschinelle Ergebnisse, und algorithmic aversion, die spontane Ablehnung. „KI erfindet nichts Neues“, sagt sie. „Sie stützt sich auf Daten und damit auch gesellschaftliche Werte, die zum Teil oft längst überholt sind.“ Ein bekanntes Beispiel aus den USA, in dem ein Algorithmus People of Color benachteiligte, ist für sie symptomatisch: „Wenn die Daten verzerrt sind, wird auch die KI verzerrt reagieren.“
Cromptons wissenschaftliche Basis liegt in der Philosophie. An der Universität Wien erforschte sie während Promotion und Postdoc-Phase, wie Menschen normativ urteilen – und wie sich diese Prozesse verändern, wenn algorithmische Systeme beteiligt sind. Im medizinischen Bereich oder in der Rechtsprechung und der Sozialarbeit konnte sie beobachten, wie subtil der Einfluss automatisierter Empfehlungen sein kann.
Weitere Stationen führten sie an die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie Projekte zu Ethik und Technik mitgestaltete. Anschließend wechselte sie in die angewandte Praxis: Als AI-Ethics-Expert bei byte – Bayerische Agentur für Digitales beriet sie die bayerischen Ministerien und deren nachgeordnete Bereiche dazu, wie KI in der öffentlichen Verwaltung sinnvoll und wertstiftend eingesetzt werden kann und sollte.
Heute möchte Crompton Studierende dafür sensibilisieren, KI nicht nur technisch zu begreifen, sondern gesellschaftlich zu reflektieren: Welche Annahmen stecken in den Daten? Welche Normen reproduzieren Modelle? Und für wen funktionieren algorithmische Systeme – oder eben nicht? „Um KI verantwortungsvoll zu gestalten, müssen wir zuerst verstehen, wie wir Menschen Entscheidungen treffen“, betont sie.
An der THI möchte sie diese Fragen weiter vorantreiben: kritisch, wissenschaftlich fundiert und mit dem Ziel, technologische Entwicklungen so zu begleiten, dass sie Menschen unterstützen, statt ausgrenzen. Mit Laura Crompton beginnt an der Hochschule ein Kapitel, in dem KI nicht nur berechnet, sondern dabei noch stärker hinterfragt wird – und in dem die eigentliche Frage lautet: Wer bestimmt die Zukunft – wir oder der Algorithmus?














