Im Café Reimanns auf dem Campus der THI liegt der Duft von frisch gemahlenem Kaffee in der Luft. Studierende ziehen mit Laptop und Becher zwischen Hörsaal und Bibliothek über den Vorplatz. Kevin Mayer sitzt am Fenster und blickt hinaus. Für ihn ist dieser Ort eng mit einer Zeit intensiver Forschung verbunden. Sein akademischer Weg begann hier. Von 2014 bis 2018 studierte Mayer Flug- und Fahrzeuginformatik im Bachelor an der THI, anschließend folgte bis 2020 der Master in Informatik. Schon während des Studiums entwickelte er ein besonderes Interesse an IT-Sicherheit – ein Thema, das damals noch deutlich weniger Aufmerksamkeit erhielt als heute. Geprägt wurde diese Richtung vor allem von Professor Hans-Joachim Hof. Bei ihm schrieb Mayer seine Bachelorarbeit. „Im Bachelor habe ich mich damit beschäftigt, wie Systeme gehackt werden können“, erinnert er sich. „Bei Professor Hof ging es dann stärker um die andere Seite: wie man sie schützt.“ Nach einigen Jahren in der Praxis kehrte Mayer als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die THI zurück. Dort arbeitete er im CARISSMA Institute of Electric, Connected, and Secure Mobility an der Cybersicherheit moderner Fahrzeuge – einem Forschungsfeld, das mit der zunehmenden Digitalisierung der Mobilität immer wichtiger wird. Diese Fragestellungen führten schließlich zu seiner Promotion in Digital Forensics an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Zusammenarbeit zwischen THI und FAU in diesem kooperativen Promotionsverfahren wurde von BayWiss getragen. Neben Professor Hans-Joachim Hof spielte dabei auch Professor Felix Freiling (FAU) eine wichtige Rolle als akademischer Betreuer und Impulsgeber. In seiner Dissertation „On the Effectiveness in Automotive Digital Forensics“ untersuchte Mayer, wie sich digitale Spuren aus modernen Fahrzeugen systematisch auswerten lassen. Moderne Autos speichern eine Vielzahl technischer Daten – etwa zu Systemereignissen, Sensorwerten oder Kommunikationsvorgängen. Die Fahrzeugforensik nutzt diese Informationen, um nach einem Vorfall – etwa einem Unfall oder einem Cyberangriff – nachzuvollziehen, was im Fahrzeug tatsächlich passiert ist. Ähnlich wie bei der klassischen Spurensicherung werden digitale Daten analysiert und miteinander verknüpft. Mayers Arbeit zeigt, wie sich solche Daten strukturiert auswerten lassen, um sicherheitsrelevante Ereignisse zuverlässig zu rekonstruieren. Damit leistet sie einen wichtigen Grundlagenbeitrag zur Fahrzeugforensik. Der wissenschaftliche Erfolg folgte früh: Mit nur 32 Jahren erhielt Mayer den Ruf auf eine Professur für Cyber Security an der Technischen Hochschule Rosenheim. Für ihn ist das jedoch weniger ein Abschluss als vielmehr der Beginn einer neuen Phase – mit eigener Verantwortung in Forschung und Lehre sowie der Möglichkeit, das Themenfeld Cybersicherheit weiterzuentwickeln. Der Blick nach Ingolstadt bleibt dabei verbunden mit Dankbarkeit für die prägenden Jahre an der THI. Viele Ideen, die seine Forschung heute beeinflussen, entstanden auf dem Campus – im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und im Gespräch mit seinen akademischen Mentoren. Die Zusammenarbeit mit Professor Hans-Joachim Hof und Professor Felix Freiling besteht bis heute fort. Für Mayer zeigt diese Verbindung, wie wissenschaftliche Karrieren entstehen: durch Förderung, Vertrauen und gemeinsame Neugier. |













