Ein Geschmackstest führt zur eigenen DNA

Studierende der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) haben im Labor Digitale Medizin untersucht, warum Menschen Bitterstoffe unterschiedlich wahrnehmen. Dazu haben sie ihr persönliches Geschmacksempfinden mit den Ergebnissen einer Analyse ihrer eigenen DNA verglichen.

Daumen hoch? Kommt auf die Gene an. Im molekularbiologischen Praktikum erforschen Studierende der THI, warum manche Menschen den Bitterstoff PTC intensiv schmecken – und andere kaum (Foto: THI).

„Igitt, ist das bitter!“ Während einige sofort das Gesicht verziehen, schauen andere irritiert auf. „Ich schmecke gar nichts.“ Auslöser der unterschiedlichen Reaktionen ist ein schmaler Papierstreifen – und eine Frage, der Studierende der THI im Nasslabor auf den Grund gehen: Warum nehmen Menschen denselben Geschmack so unterschiedlich wahr?

Genau diesem Phänomen widmete sich ein molekularbiologischer Praktikumsversuch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer analysierten einen Abschnitt des TAS2R38-Gens. Dieses beeinflusst die Wahrnehmung bestimmter Bitterstoffe. Dafür gewannen sie zunächst DNA aus eigenen Wangenschleimhautzellen. Anschließend machten sie mithilfe verschiedener molekularbiologischer Verfahren genetische Varianten sichtbar und werteten diese aus.

Erst danach folgte die Geschmacksprobe. Mit speziellen Teststreifen prüften die Studierenden ihre Reaktion auf den Bitterstoff Phenylthiocarbamid, kurz PTC. Während manche ihn als intensiv bitter wahrnehmen, bemerken andere kaum einen Unterschied. Der Vergleich mit den Laborergebnissen zeigte, dass die Ursache dafür tatsächlich im Erbgut liegen kann.

„Wenn die Studierenden ihre genetischen Ergebnisse mit dem eigenen Geschmacksempfinden vergleichen, entsteht oft ein echter Aha-Moment“, sagt Professor Matthias Eckert. „Der Versuch macht sichtbar, wie sich kleinste Unterschiede im Erbgut auf alltägliche Wahrnehmungen auswirken können.“