Denn dieses Triebwerk ist mehr als ein Ausstellungsstück. Es steht für eine Entwicklung, die auf einem Bauernhof in der Oberpfalz begann. Schon als Kind hielt König lieber Werkzeug als Spielzeug in der Hand. Während andere draußen spielten, stand er mit Schraubenzieher und wachem Blick zwischen Unimogs und Traktoren. Der Vater: Landwirt, Sammler, Bastler. Die Werkstatt: ein Ort des Ausprobierens, Zerlegens und Verstehens. „Ich bin da einfach reingewachsen“, sagt König rückblickend. „Es war ganz normal, Dinge auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen.“
Diese Prägung wirkt bis heute nach. „Ein bisschen pedantisch zu sein, das hilft“, sagt er – und meint die Mischung aus Genauigkeit, Geduld und Hartnäckigkeit, die in der Luftfahrt unverzichtbar ist. Nach Realschule und Fachoberschule Technik beginnt er sein Maschinenbaustudium an der THI. Dort schärft sich sein Interesse: Aus Neugier wird Faszination für die Luftfahrt. Die Systeme werden komplexer, die Anforderungen steigen, und die Folgen von Fehlern sind gravierend. „Da merkt man schnell, dass es keinen Spielraum für Ungenauigkeit gibt.“
Eine prägende Station ist seine Promotion im Bereich Leichtbau bei Professor Jörg Kessler, durchgeführt in Kooperation mit der Universität der Bundeswehr München. Spätestens hier wird deutlich, wie spezialisiert die Luftfahrt ist. Es folgt der Wechsel zu Rolls-Royce Deutschland Ltd. & Co. KG nach Berlin: Änderungsbetreuung, Detailarbeit, höchste Präzision. „Man arbeitet sich in Details ein, die am Ende entscheidend sind. Das muss man mögen.“ Später geht König für Rolls-Royce in die USA, nach Wichita, Kansas, und arbeitet bei einem Modulzulieferer an der Schubumkehr – einem sicherheitskritischen System, das Flugzeuge nach der Landung abbremst.
2011 kehrt er nach Ingolstadt zurück – als Professor, mit einer klaren Vorstellung davon, wie Lehre aussehen soll: anschaulich, greifbar, nah an der Praxis. „Man kann vieles erklären“, sagt er, „aber erst wenn man es sieht, versteht man wirklich, wie es funktioniert.“ Das Triebwerk im G-Gebäude ist Ausdruck genau dieser Haltung: ein Rolls-Royce Pearl 700, ein hochmodernes Vorserienflugtesttriebwerk, mehrere Tonnen schwer und ursprünglich für die Flugerprobung im Einsatz.
Dass es heute in Ingolstadt steht, ist alles andere als selbstverständlich. Lange zweifelte König selbst, ob sich ein solches Projekt realisieren lässt. Die Konstruktion, die das Gewicht trägt, entwickelte und testete er auf seinem eigenen Bauernhof – dort, wo alles begann. Heute ist das Triebwerk fester Bestandteil des Studiums: Studierende versammeln sich darum, schauen hinein, stellen Fragen. Was sonst verborgen bleibt, wird sichtbar, Technik verliert ihre Abstraktion. „Man merkt sofort, wenn der Funke überspringt“, sagt König. „Wenn plötzlich Fragen kommen, wenn jemand tiefer einsteigen will.“
Inzwischen ist es auch öffentlich zugänglich. Es zieht Besucherinnen und Besucher an und ist zu einem Identifikationspunkt für die Luftfahrttechnik an der THI geworden – ein Studienfeld, das sich in den vergangenen 15 Jahren dynamisch entwickelt hat und heute gefragter ist denn je. Wenn König darüber spricht, ist die Begeisterung spürbar – und ansteckend. Sie überträgt sich auf Studierende, auf Kolleginnen und Kollegen. Und auch zu Hause: Sein Sohn Georg steht schon gerne mit dabei. „Der ist auch schon mittendrin“, sagt König und lächelt.














