Technische Hochschule Ingolstadt (THI) bringt Zukunftsthemen ins Klassenzimmer

Was kann Technik von der Natur lernen? Wer bezahlt die Wärmewende? Und warum führt Wissen über den Klimawandel nicht automatisch zum Handeln? Beim Projekttag am Apian-Gymnasium in Ingolstadt beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler mit Nachhaltigkeit, Zukunftsforschung, Bionik und den sozialen Folgen des Klimaschutzes. Die THI brachte dafür vier Stationen mit.

Sie machen Wissenschaft greifbar: Dr. Stefan Schweiger, Franziska Hegner, Dr. Anna-Lisa Klages und Dr. Gerhard Schönhofer (2.v.l. n. r./Foto: THI).

Fünf Klassen der 11. Jahrgangsstufe, vier Angebote der THI und ein Vormittag, an dem es nicht beim Zuhören blieb: Die Jugendlichen wechselten zwischen Vorträgen und Workshops, diskutierten, bezogen Position und trafen eigene Entscheidungen. Eine Erste-Hilfe-Station des Apian-Gymnasiums ergänzte das Programm.

Den Ausgangspunkt bildete ein Widerspruch: Über Klimawandel, Ressourcenverbrauch und ökologische Folgen ist viel bekannt. Warum verändert dieses Wissen unser Verhalten dennoch nur begrenzt? Dr. Stefan Schweiger nahm den Stand der Nachhaltigkeit in Deutschland und weltweit in den Blick und erläuterte aus systemtheoretischer Sicht, welche Mechanismen Veränderungen erschweren. Vier mögliche Szenarien eröffneten anschließend den Blick darauf, wie Produktion, Konsum und gesellschaftliches Zusammenleben künftig organisiert sein könnten.

Von möglichen Entwicklungen führte der Weg zur Frage, wie sich Zukunft überhaupt wissenschaftlich untersuchen lässt. Dr. Gerhard Schönhofer gab eine interaktive Einführung in die Zukunftsforschung: Wie entstehen Vorstellungen von morgen, welche Annahmen liegen ihnen zugrunde und mit welchen Methoden lassen sich alternative Verläufe untersuchen? Danach entwarfen die Schülerinnen und Schüler eigene Zukunftsbilder. Dabei nutzten sie einen KI-Agenten, den ehemalige Studierende des Masterstudiengangs „Global Foresight & Strategic Management“ am Bayerischen Foresight-Institut der THI konzipiert haben.

Während hier der Blick nach vorn gerichtet war, suchte Franziska Hegner nach Lösungen, die längst existieren – in Pflanzen, Tieren und biologischen Systemen. An konkreten Beispielen erklärte sie, wie sich Prinzipien aus der Natur auf technische Anwendungen übertragen lassen. Ob Materialien, Konstruktionen oder Funktionsweisen: Biologische Vorbilder liefern zahlreiche Ansätze für ingenieurwissenschaftliche Aufgaben.

Wie technische und ökologische Veränderungen unmittelbar in den Alltag hineinwirken, zeigte schließlich der Workshop von Dr. Anna-Lisa Klages. Ausgangspunkt war ein fiktiver Wohnblock in der Ingolstädter Emilienstraße, der umfassend energetisch saniert werden sollte. Dach, Heizung, Fassade und Fenster standen ebenso zur Debatte wie eine Photovoltaikanlage. Wer trägt die Kosten? Wem kommen die Investitionen zugute? Und welchen Effekt haben die einzelnen Maßnahmen tatsächlich? Auf Grundlage verschiedener Daten wogen die Jugendlichen ökologische, wirtschaftliche und soziale Interessen gegeneinander ab und verständigten sich auf eine gemeinsame Stellungnahme aus Sicht der Mietendengemeinschaft.

Damit spannte der Projekttag den Bogen von globalen Zusammenhängen über Zukunftsentwürfe und biologische Vorbilder bis zu einem Wohnblock mitten in Ingolstadt. Aus wissenschaftlichen Themen wurden konkrete Entscheidungen, die begründet, verhandelt und gemeinsam getroffen werden mussten.

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