Von Alfi bis Azolla: Junge Forschende begeistern beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“

Ein schnurrender Katzenroboter für ein Seniorenheim, innovative Umweltforschung und viele kreative Ideen: Rund 100 Kinder und Jugendliche präsentierten in der Aula der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) etwa 60 Projekte. Die besten von ihnen haben nun die Chance, ihre Arbeiten beim Landes- und Bundeswettbewerb vorzustellen.

Volles Haus: Rund 100 Jungforscherinnen und Jungforscher stellten ihre Projekte in der Aula der THI vor (Foto: THI).

Schnurrender Alltagshelfer: Frieda Willemsen, Lili Nemeth und Anabelle Dirr (v.l.n.r.) entwickelten einen Roboter für Senioren (Foto: THI).

Umweltschutz mit Azolla: Der Abiturient Benjamin Sedlmair forscht bereits auf Topniveau (Foto: THI).

Mit Spitzenleistungen überzeugt: Die Gewinnerinnen und Gewinner des Regionalwettbewerbs dürfen mit ihren Projekten in der nächsten Runde antreten (Foto: THI).

Ein leises Schnurren, ein vorsichtiges Vibrieren – und sofort zieht der kleine Roboter die Blicke auf sich. Er sieht aus wie eine Plüschkatze, bewegt sich über einen Tisch und zieht ein Tablet hinter sich her. Darauf laufen Fotos, eine Diashow und Lieblingsmusik. „Wir haben zuerst gefragt, was sie sich wünschen“, erzählt die neunjährige Lili Nemeth. Gemeinsam mit Anabelle Dirr (9) und Frieda Willemsen (10) von der Grundschule Ingolstadt-Etting hat sie „Alfi“ entwickelt – einen Roboter für Seniorinnen und Senioren.

Dafür haben die drei Mädchen zehn Bewohnerinnen und Bewohner im Danuvius-Haus interviewt. Aus diesen Gesprächen entstand die Idee für einen Begleiter, der Freude und Erinnerungen weckt. Die Plüschkatze schnurrt, vibriert sanft und bringt über das mitgeführte Tablet Musik und Bilder ins Zimmer. Der Name „Alfi“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Entwicklerinnen zusammen und steht zugleich für „Alle lieben Freude im Altenheim“. Mit ihrem „Hilfsroboter für Senioren“ überzeugte das Team durch Kreativität, Einfühlungsvermögen und einen klaren Praxisbezug. Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet.

Ein paar Stände weiter beschäftigt sich Benjamin Sedlmair mit einem ganz anderen Thema. Der 18-Jährige erforscht Azolla, einen kleinen, frei auf der Wasseroberfläche treibenden Algenfarn. Sein Ziel: aus der Pflanze Biokohle gewinnen und damit neue Ansätze für den Umweltschutz entwickeln. Teile seiner Arbeit führt er bereits in einem professionellen Umfeld an der Technischen Universität München fort. Was ihn antreibt, formuliert er klar: „Es gibt zu viele schlechte Lösungen auf dem Markt. Das will ich ändern.“ Neben der Forschung bleibt ihm Zeit für Sport und Freunde – doch sein Weg soll weiter in den Naturwissenschaften liegen. Für „Umweltschutz mit Azolla“ erhielt er den ersten Preis in der Sparte Biologie und zusätzlich einen Sonderpreis für eine besonders aufwändige Arbeit.

Zwischen diesen beiden Projekten zeigte sich die ganze Spannweite des Regionalwettbewerbs „Jugend forscht“, der in der Aula der THI stattfand. Rund 100 Teilnehmende präsentierten etwa 60 Arbeiten – von der Grundschule bis zur Oberstufe. Organisiert wurde die Veranstaltung von Simone Schmeißer und Thomas Dorsch, die den Wettbewerb bereits zum zweiten Mal an die Hochschule geholt haben.

Unter dem Motto „Maximale Perspektive“ setzten sich die jungen Forschenden mit Themen auseinander, die weit über den Unterricht hinausreichen. Sie untersuchten beispielsweise, wie Bäume Städte bei der Anpassung an steigende Temperaturen unterstützen können, entwickelten mobile Systeme zur Messung der Feinstaubbelastung auf dem Schulweg oder experimentierten mit nachhaltigen Materialien.

Erste Preise wurden in mehreren Fachgebieten vergeben – darunter Biologie, Chemie, Physik, Technik, Mathematik/Informatik, Geo- und Raumwissenschaften sowie Arbeitswelt. Die jeweiligen Regionalsiegerinnen und Regionalsieger qualifizieren sich damit für die nächste Wettbewerbsrunde auf Landesebene und haben die Chance, ihre Projekte anschließend beim Bundeswettbewerb zu präsentieren.

Zusätzlich würdigten zahlreiche Sonderpreise besondere Leistungen. Gestiftet wurden sie unter anderem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Max-Planck-Gesellschaft, dem VDI, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Technischen Hochschule Ingolstadt und dem Rotary-Club Ingolstadt.

THI-Präsident Professor Dr. Walter Schober ermutigte die Teilnehmenden, ihre Ideen weiterzuverfolgen: „Wenn ihr später bei uns studiert – was mich freuen würde – könnt ihr euere Ideen mit Forschungs-Know-how weiterentwickeln. Unsere Wissenschaftler unterstützen euch gerne dabei.“ Damit, so Schober, könne aus ersten Experimenten später vielleicht ein eigenes Business entstehen.

Oberbürgermeister Dr. Michael Kern brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: „Der wichtigste Rohstoff sind eure Köpfe und Ideen.“ Genau das wurde an diesem Tag immer wieder sichtbar – in der Neugier, im Ideenreichtum und in der Begeisterung, mit der die Kinder und Jugendlichen ihre Projekte präsentierten.

Von der vierten Klasse bis zum ersten Studienjahr reichte das Altersspektrum. Vertreten waren Gymnasien, Realschulen, Fachoberschulen, Berufsschulen und Grundschulen aus der gesamten Region. Überall war spürbar, wie aus Fragen Ideen werden – und aus Ideen Projekte, die konkrete Probleme aufgreifen und Lösungen suchen.

So blieb am Ende vor allem ein Eindruck: Forschung beginnt oft ganz klein. Manchmal mit Gesprächen mit Seniorinnen und Senioren. Manchmal mit einer Pflanze im Wasser. Und manchmal mit der einfachen Frage, wie sich die Welt ein Stück besser machen lässt.

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