Integriertes Klimaschutzkonzept der Technischen Hochschule Ingolstadt
Die Technische Hochschule Ingolstadt (THI) hat mit ihrem integrierten Klimaschutzkonzept einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer klimaneutralen Hochschule gesetzt.
Aufbauend auf der 2024 veröffentlichten Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt die THI einen gesamtinstitutionellen Ansatz, der ökologische Verantwortung, wissenschaftliche Exzellenz und gesellschaftliche Wirkung miteinander verbindet. Das Klimaschutzkonzept konkretisiert diesen Anspruch, indem es erstmals eine umfassende Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz) erstellt, Potenziale zur Emissionsminderung identifiziert und strategische Ziele sowie Maßnahmen für die kommenden Jahre definiert.
“Klimaschutz gehört zu einer der zentralen Herausforderungen unserer Zeit – und Hochschulen tragen mit ihrer Forschungsleistung und ihrer Ausbildung des Führungskräftenachwuchses für Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen eine besondere Verantwortung.”
Prof. Dr. Walter Schober
Präsident
Die THI versteht sich als Akteurin im gesellschaftlichen Transformationsprozess. Als Hochschule mit Schwerpunkten in Mobilität, nachhaltiger Infrastruktur und erneuerbaren Energiesystemen trägt sie nicht nur durch Forschung und Lehre, sondern auch durch ihr eigenes Handeln Verantwortung. Die politischen Rahmenbedingungen – Klimaneutralität des Bundes bis 2045, des Freistaats Bayern bis 2040 und das Ziel der Stadt Ingolstadt, ihre Emissionen bis 2035 um 90 % zu reduzieren – bilden wichtige Orientierungspunkte zur Setzung unserer eigenen Ziele:
Klimaneutralität in den Scopes 1 und 2 bis 2035 sowie eine Reduktion der Scope‑3‑Emissionen um 50 % bis 2040.
Um unsere Klimaschutzziele erfolgreich zu erreichen, setzen wir auf eine breite Beteiligung aller Statusgruppen der Hochschule. Bereits in der Erarbeitungsphase des Integrierten Klimaschutzkonzeptes wurde eine starke Grundlage für eine gelebte Partizipationskultur geschaffen.
2. THG-Bilanz 2023
2.1 Bilanzierungsgegenstand
Die THG‑Bilanz der THI wurde nach dem bayernweit einheitlichen BayCalc-Standard erstellt und schafft eine transparente Grundlage zur Identifikation der größten Emissionsquellen der Hochschule. BayCalc basiert auf dem international anerkannten Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) und wurde gezielt an die besonderen Rahmenbedingungen von Hochschulen angepasst.
2.2 Ergebnisse
Die THI verursachte im Jahr 2023 insgesamt 10.522 tCO₂e (marktbasiert), was 1,27 tCO₂e Pro VzÄ ausmacht. Die Bilanz umfasst die Scopes 1, 2 und Teile von Scope 3:
Emissionsquellen nach Scopes
Die THG‑Bilanz der THI erfasst Emissionen gemäß dem etablierten Scope‑Modell.
- Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus dem hochschuleigenen Fuhrpark und aus Gasheizungen.
- Scope 2 bildet indirekte energiebedingte Emissionen aus dem Strom‑, Wärme‑ und Kältebezug ab.
- Scope 3 berücksichtigt weitere indirekte Emissionen, darunter Dienst‑ und Pendelreisen, Student Outgoings und Incomings, Beschaffung, Bau, Abfall und Abwasser.
Die Datenqualität der einzelnen Emissionsquellen wurde überprüft und wird im Rahmen der jährlichen Fortschreibung der THG‑Bilanz kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert.
Der mit Abstand größte Emissionsposten ist der Pendelverkehr der Hochschulangehörigen. Mit 7.983 t CO₂e macht er rund 76 % der Gesamtemissionen aus. Die durchschnittliche Pendelstrecke beträgt laut Befragung 34 km pro Person – ein Wert, der die strukturellen Herausforderungen der Region widerspiegelt.
Wird der Pendelverkehr ausgeklammert, zeigt sich, dass 31 % der Emissionen auf Energie zurückzuführen sind. Betrachtet man ausschließlich Scopes 1 und 2, verursachen Wärme und Kälte gemeinsam rund 95% der Emissionen dieser beiden Scopes.
Um unsere CO₂‑Emissionen transparent und vergleichbar darzustellen, weist die THI ihren Stromverbrauch nach zwei Ansätzen aus („Dual Reporting“): tarifbasiert (market‑based), auf Grundlage der tatsächlich bezogenen Stromtarife wie Ökostrom, und standortbasiert (location‑based), auf Basis des deutschen Durchschnittsstrommixes. Diese doppelte Betrachtung macht sichtbar, welchen Beitrag die Wahl von Ökostrom zur Reduktion der Emissionen leistet und wie hoch die Emissionen ohne spezielle Tarife wären.
| Gesamt | Scope 2 | Scope 3 | Insgesamt |
| marktbasiert (market based) (tCO2e) | 13 | 138 | 151 |
| standortbasiert (location based) (tCO2e) | 1.097 | 286 | 1.383 |
| Emissionsreduktion durch Stromtarifwahl (tCO2e) | 1.084 | 148 | 1.232 |
3. Potenzialanalyse: Wo kann die THI-Emissionen reduzieren?
Die Potenzialanalyse zeigt, dass die THI in allen Handlungsfeldern relevante Einsparpotenziale besitzt. Die größten Hebel liegen im Bereich Mobilität und Energie.
3.1 Mobilität
Der Mobilitätssektor bietet das mit Abstand größte Reduktionspotenzial. Maßnahmen wie Verkehrsverlagerung (ÖPNV, Fahrrad, Bahn), Elektrifizierung des Fuhrparks, Förderung von Mitfahrgelegenheiten und die Reduktion von Flugreisen können mehrere tausend tCO₂e einsparen. Die Wirksamkeit hängt jedoch stark von externen Faktoren wie ÖPNV-Angebot, Infrastruktur und regionaler Verkehrspolitik ab.
Die Potenzialanalyse zeigt, dass die THI in allen relevanten Handlungsfeldern über umsetzbare Einsparpotenziale verfügt. Im Bereich Energie und Effizienz liegen insbesondere kurz- bis mittelfristige Möglichkeiten wie der Ausbau von Photovoltaik, Effizienzmaßnahmen und intelligente Gebäudetechnik, ergänzt durch langfristige Effekte aus Neubau- und Sanierungsstandards. Weitere, wenngleich kleinere Minderungspotenziale bestehen in den Bereichen Beschaffung, Abfall und Wasser, die einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung und zur Stärkung der Nachhaltigkeitskultur leisten. Insgesamt liegen die größten Hebel im Mobilitätsbereich, gefolgt von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien, während ergänzende Maßnahmen den kulturellen Wandel hin zu einer nachhaltigen Hochschule unterstützen.
4. Szenarien bis 2045 und Klimaschutzziele der THI
Auf Basis der identifizierten Potenziale wurden drei Emissionsszenarien bis 2045 entwickelt. Während das Referenzszenario ohne zusätzliche Maßnahmen einen Emissionsanstieg zeigt und das Tendenzszenario moderate externe Entwicklungen berücksichtigt, macht das ambitionierte Klimaschutzszenario deutlich, dass durch die Kombination interner Maßnahmen und externer Trends eine deutliche Reduktion möglich ist. Für Scope 1 und 2 wird dieses Klimaschutzszenario als realistisch eingeschätzt, während für Scope 3 aufgrund begrenzter Einflussmöglichkeiten der Hochschule ein Mittelweg zwischen Tendenz‑ und Klimaschutzszenario gewählt wurde.
Auf dieser Grundlage hat sich die THI klare und ambitionierte Ziele gesetzt: Klimaneutralität in den Scopes 1 und 2 bis 2035 sowie eine Reduktion der Scope 3 Emissionen um 50 % bis 2040. Zur Zielerreichung folgt die Hochschule dem Prinzip „vermeiden – reduzieren – kompensieren“, konzentriert sich auf die größten Emissionshebel in Energie und Mobilität und verankert Klimaschutz durch starke Governance Strukturen, Beteiligung sowie die Einbindung von Lehre, Forschung, Verwaltung und regionalen Partnern dauerhaft im Hochschulalltag.
6. Maßnahmenkatalog
Der Maßnahmenkatalog bildet das Herzstück des Klimaschutzkonzepts. Insgesamt wurden 47 Einzelmaßnahmen entwickelt, die zu 26 Leitprojekten gebündelt wurden. Diese Leitprojekte decken alle relevanten Handlungsfelder ab – von Energie und Mobilität über Beschaffung und Abfall bis hin zu Forschung, Lehre und Governance. Die Maßnahmen wurden hinsichtlich Wirkung, Aufwand und Umsetzbarkeit bewertet und priorisiert.
Zur langfristigen Verstetigung stärkt die THI ihre Governance‑Strukturen, verankert Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe und unterstützt die Umsetzung durch ein professionelles Klimaschutz‑ und Nachhaltigkeitsmanagement, das künftige Green Office sowie Reallabore. Ein integriertes Controlling‑Konzept mit jährlicher THG‑Bilanz, zentralem Dashboard und dem Plan‑Do‑Check‑Act‑Zyklus stellt sicher, dass Fortschritte transparent erfasst, Maßnahmen wirksam gesteuert und kontinuierlich weiterentwickelt werden.
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Integriertes Klimaschutzkonzept der Technische Hochschule Ingolstadt
157 Seiten [Deutsch]



















